Fraunhofer 2017

Uns liegt die aktuelle Ausgabe der Fraunhoferliste vor. Der Aufbau des Jahrganges 2017 ist nahezu identisch zu den vorherigen Listen. Wir haben einen ersten Blick hineingeworfen und möchten ein paar Eindrücke widergeben.

 

Punkt 1

Noch immer sind Aussagen zur Methodik - je nach Blickwinkel, Versicherer werden dem sicherlich widersprechen - nach Auffassung des Autors lediglich als Verwirrtaktik zu verstehen. Beispiele von Seite 3:

"Sowohl kleine und mittlere Anbieter als auch große Anbieter wurden berücksichtigt"
-> In der Interneterhebung kleine und eine nennenswerte Anzahl mittelgroßer Anbieter ja schon mal nicht... und die Telefonerhebung spielt selbst bei Gerichten keine Rolle, die Fraunhofer anwenden.

"Bei der telefonischen Erhebung sind die kleinen und mittleren Anbieter, bezogen auf ihren Marktanteil, etwas übergewichtet, da alle Anmietstationen gleich gewichtet wurden."
-> Welchen Marktanteil haben denn diese kleinen Anbieter und woher stammt diese Information? Das ist hier nicht offengelegt. -> Was heißt es, wenn alle Stationen "gleich gewichtet" sein sollen? Das erscheint fraglich, zumal wenn durchgängig Anzahl Stationen und Anzahl Nennungen nicht zusammenpassen (zu den Problemen daraus siehe OLG Celle).

"Die Preise wurden anonym im Rahmen eines marktüblichen Anmietszenarios erhoben, umfassend dargestellt und erläutert."
-> In der Erläuterung steht, dass sie umfassend erläutert wurden. Das muss man nicht verstehen.
-> Was ist ein marktübliches Anmietszenario? Zum Beispiel die Bezahlung mit Kreditkarte oder die einwöchige Vorbuchung? Marktüblich sind auch andere Szenarien.
-> "Preise sind umfassend dargestellt und erläutert", das klingt wie eine hohle Phrase, die interessierten Gerichten zum Abschreiben gereicht wird (OLG Düsseldorf).

"..marktübliche Selbstbeteiligung 750 bis 950 Euro".
-> Hier können Kragen platzen. Das kann man als eine seit 2008 geäußerte Unterstellung ansehen, bei der einfach ignoriert wird, dass sie falsch ist. Selbstbeteiligungen können viel niedriger sein (was durch einen Zusatzpreis ausgewiesen wird, den Fraunhofer nicht betrachtet, den Gerichte aber berücksichtigen) und auch viel höher sein, z.B. 1.500 Euro (was die Grundpreise von Fraunhofer verfälscht und Fraunhofer-Werte komplett infrage stellt).

usw.

 

Punkt 2

Es fällt in Bezug auf die Liste 2017 auf, dass die Mittelwerte überwiegend gesunken sind.

 

Punkt 3

Die Erhebung in den einzelnen PLZ-Gebieten lässt neue Fragen auftauchen. Alte Fragen bleiben. Zunächst zu alten Fragen:

Warum ist der Preis der niedrigsten Gruppe Mini (M) zum Beispiel im Bundesdurchschnitt mit 181,14 Euro viel höher als der Preis der niedrigsten Gruppe der Schwacke-Gruppen? Es sind doch dieselben Ergebnisse, nur anders sortiert. Wie werden da aus 181 Euro nur noch 140,95 Euro pro Woche? Dabei fällt auf, dass die 181 Euro aus 12.500 Nennungen von 1.300 Stationen gebildet wurden und die 140,95 Euro nur aus 1.200 Nennungen von 160 Stationen.

Fraunhofer scheint noch immer extreme Probleme zu haben, die Fahrzeuge in Gruppen zu ordnen. So könnte man auch erhebliche Verwerfungen erklären, wenn zum Beispiel der Durchschnittspreis von Fahrzeugen der Gruppe 4 größer ist, als der Preis der Gruppe 7 (PLZ 01, 13, ...). Oder wenn manche Mittelwerte zum Vorjahr um 43 % steigen (PLZ 12, Gr. 4; PLZ 13 um 52%) und andere um 30 % sinken (Gr. 2 PLZ 53). Man spricht inzwischen selbst von einer "Unschärfe" und verweist nebulös darauf, dass man diesem Problem im konkreten Regulierungsvorgang auch begegne (Seite 20). Das erscheint bei diesen Verwerfungen aber doch eher als eine unverschämte Verharmlosung. Und es stimmt auch nicht: Jedes konkrete Fahrzeug kann eindeutig einer Schwacke-Mietwagengruppe (-klasse) zugeordnet werden. Aber eben nicht, wenn das Angebote unkonkret ist, wie bei Angeboten im Internet.

Eine neue Frage: Der Vergleich von Listen zeigt noch eine andere Auffälligkeit. Die Anzahl der berücksichtigen Stationen erscheint willkürlich. Sonst dürfte es Beispiele wie dieses nicht geben: PLZ 10, Gruppe 2. Hier setzt sich der Mittelwert aus Angeboten von 24 Stationen zusammen (2016: 94 Nennungen dieser 24 Stationen). In der aktuellen Ausgabe 2017 konnte Fraunhofer den Mittelwert jedoch nun noch auf der Basis der Angebote von 6 Stationen bilden, die dann trotzdem 72 mal befragt wurden. Die fehlenden 18 Stationen sind aber nicht verschwunden, denn in der Gruppe 5 waren 41 Stationen wieder zugegen.

 

Letztlich kommt es für jeden Vermieter und Geschädigten auf die konkrete Rechtsprechung vor Ort und die Werte des betreffenden PLZ-Gebietes an. Fraunhofer wird sich weiter der Tatsache berühmen können, dass diese Liste ja selbst von den Vermietern nachgefragt werde und dort als wichtiges Instrument zum Vermietalltag gehört und Geld dafür ausgegeben werden muss (das man sich im Übrigen nur über einen unfallbedingten Aufschlag auf den Normaltarif zurückholen könnte, den viele Gerichte noch nie zugesprochen haben. Auch an dieser Stelle ist der BGH mit seinen "Segelanweisungen" an die Instanzrechtsprechung gescheitert).

Für allgemeine Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Sofern sich jemand über diesen Beitrag ärgert und nach nicht beweisbaren Tatsachen-Behauptungen sucht, für die eine Unterlassung gefordert werden könnte, dem sei gesagt, dass hier nur die Meinung des Verfassers widergegeben ist.

 

Bundesverband der Autovermieter Deutschlands e.V.

Wir stellen uns vor.

Der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands e.V. (BAV) wurde am 05. April 1954 gegründet. Er ist eine Interessenvertretung von Unternehmen, die Pkw, Anhänger, Transporter und Lkw vermieten. Der BAV repräsentiert ca. zwei Drittel des Gesamtmarktes der Autovermietung. Er steht den Mitgliedern für alle branchenrelevanten Aufgaben zur Verfügung.

Alles Wissenswerte haben wir für Sie in einer Verbandsbroschüre aufbereitet. Bitte schauen Sie hinein. Sie erfahren wer wir sind und welche Aufgaben der BAV für die Branche der Autovermietung übernommen hat. Sie sehen, wie erfolgreich wir dabei bisher gewesen sind und warum es sich lohnt, unserer Interessengemeinschaft beizutreten und in Zukunft mit uns zusammenzuarbeiten.

Bitte hier klicken ...

BAV - Bundesverband der Autovermieter Deutschlands e. V.
Invalidenstraße 34
10115 Berlin
Tel.  030 - 25 89 89-45
Fax: 030 - 25 89 89-99

Urteilsdatenbank des BAV

Der BAV bietet den Zugriff auf eine Datenbank für Gerichtsurteile und Fachartikel bzgl. Mietwagen an.

In ihr sind - zumeist im Format PDF - enthalten:
- alle wichtigen BGH-Urteile der letzten Jahre
- alle wichtigen und uns bekannten Urteile der Oberlandesgerichte und der Landgerichte seit 2008
- jeweils mindestens ein Urteil einer Abteilung eines Amtsgerichtes seit 2008, soweit bekannt und von Bedeutung
- alle aktuellen uns bekannten Urteile seit Mitte 2010

Mitte 2017 befinden sich ca. 4.800 Dokumente in der Datenbank. Für...

weiterlesen...
nach oben